Unter 100 Schläge im Golf: Reichen wirklich 90 Meter?
Du willst unter 100 Schläge spielen und denkst, dafür müsste dein Abschlag endlich 200 Meter weit fliegen? Bevor du noch mehr Kraft in deinen Schwung steckst, lohnt sich ein Blick auf deine Scorekarte. Wie viele Schläge stehen dir eigentlich zur Verfügung, um das Grün zu erreichen?
Genau das habe ich im Golfclub Pleiskirchen ausprobiert. Auf den ersten drei Löchern blieb der Driver im Bag. Stattdessen habe ich die Bahnen mit lockeren Schlägen mit der Pitching Wedge gespielt. Für die Planung ergaben sich dort rund 90 bis 99 Meter pro Schlag.
Dabei ging es mir darum, zu zeigen, wie du mit einem überschaubaren Schlagbudget und weniger Druck an deine Runde herangehen kannst. Und auch darum, was passiert, wenn der Platz bei dieser Rechnung kräftig mitmischt.
Unter 100 Schläge: Rechne vom Grün zurück

Mein Ziel für die Planung waren 99 Schläge auf 18 Löchern. Dafür habe ich die zusätzlichen Schläge auf die Bahnen verteilt und mir für jedes Loch eine persönliche Zielzahl gesetzt.
Von dieser Zielzahl ziehe ich zunächst zwei Putts ab. Die verbleibenden Schläge stehen mir für die Strecke bis zum Grün zur Verfügung. Anschließend teile ich die Bahnlänge durch diese Zahl.
Am ersten Loch lässt sich das gut nachvollziehen: Das Par 5 ist 457 Meter lang. Meine persönliche Zielzahl beträgt sieben Schläge. Wenn ich zwei Putts einplane, bleiben fünf Schläge bis zum Grün. Rechnerisch sind das rund 91 Meter pro Schlag.
Du musst diese Länge natürlich nicht jedes Mal exakt treffen. Die Rechnung zeigt dir zunächst, wie viel Strecke du durchschnittlich überbrücken musst. Sie gibt dir einen Plan, bevor du zum Schläger greifst.
Warum ich die Pitching Wedge nehme
Ich sehe im Unterricht häufig, dass Golfer möglichst viel Länge herausholen wollen. Dann kommt der Driver zum Einsatz, der Schwung wird mit voller Kraft gespielt – und manchmal folgen Ausbälle und Strafschläge.
Für das Experiment habe ich deshalb bewusst einen anderen Weg gewählt. Mit der Pitching Wedge wollte ich den Ball locker nach vorne spielen, ungefähr mit 70 bis 80 Prozent meiner maximalen Länge.
Die Pitching Wedge ist dabei mein gewählter Schläger für diesen Versuch. Für deinen eigenen Spielplan kommt es darauf an, mit welchem Schläger du die benötigte Strecke kontrolliert überbrücken kannst.
Drei Löcher: Was passiert mit dem Spielplan?
Loch 1: 457 Meter, Par 5
Geplant waren fünf Schläge bis zum Grün und zwei Putts. Tatsächlich kam ich bereits mit dem vierten Schlag aufs Grün. Die Bälle sprangen und rollten auf dem harten Boden deutlich weiter als erwartet. Mit drei Putts blieb ich schließlich bei meiner Zielzahl von sieben Schlägen.
Das ist ein wichtiger Punkt: Ein Schlag, den du auf dem Weg zum Grün sparst, kann dir später helfen, wenn beim Putten etwas schiefläuft.
Loch 2: 374 Meter, Par 4
Hier lag meine persönliche Zielzahl bei sechs Schlägen. Nach Abzug der zwei Putts blieben vier Schläge für die Strecke – ungefähr 94 Meter pro Schlag.
Auch auf dieser Bahn unterstützten mich der trockene Boden und das Gefälle. Nach vier Schlägen war ich auf dem Grün, der erste Putt fiel. Mit fünf Schlägen hatte ich einen Schlag Puffer gegenüber meinem Plan.
Loch 3: 296 Meter, Par 4
Die kürzere Bahn klingt zunächst einfacher. Hier hatte ich aber nur einen zusätzlichen Schlag eingeplant. Bei einer Zielzahl von fünf Schlägen und zwei vorgesehenen Putts blieben drei Schläge bis zum Grün: rund 99 Meter pro Schlag.
Dazu ging es bergauf. Die Bahn nahm mir also auch Länge weg. Am Ende war der Puffer vom zweiten Loch wieder aufgebraucht. Der Plan hilft dir bei der Orientierung; die tatsächliche Spielsituation musst du trotzdem beachten.
Warum 90 Meter keine allgemeine Antwort sind
Bei diesem Versuch war der Boden außergewöhnlich trocken und hart. Selbst Schläge, die ich nicht besonders sauber getroffen hatte, machten durch Springen und Rollen deutlich mehr Strecke als geplant.
Die gemessenen Längen waren deshalb nicht einfach Flugweiten. Der Boden und die Hanglagen hatten einen erheblichen Anteil daran.
Auf einem feuchten Platz würde sich derselbe Versuch anders spielen. Deshalb lautet die Erkenntnis auch nicht, dass 90 Meter auf jeder Bahn reichen. Entscheidend ist, dass du deinen eigenen Platz nüchtern durchrechnest und die Bedingungen berücksichtigst.
Platzstrategie: Wähle das kleinere Risiko
Am dritten Loch musste ich überlegen, wohin ich meinen nächsten Schlag spiele. Rechts lagen Büsche, links ein Bunker. Zudem konnte der Ball durch das Gelände nach rechts wegspringen.
Ich habe deshalb eher nach links gezielt. Ein möglicher Bunkerschlag erschien mir in dieser Situation günstiger als ein Ball in den Büschen.
Solche Entscheidungen gehören zum Spielplan. Überlege vor dem Schlag, was passieren kann, wenn dein Ball kürzer bleibt oder seitlich abweicht. Du brauchst ein Ziel, das auch zu deinen möglichen Fehlschlägen passt.
Putten gehört zum Schlagbudget
Die eingeplanten zwei Putts sind ein Ziel, kein Automatismus. Am ersten Loch brauchte ich drei. Am zweiten reichte einer.
Am dritten Loch habe ich den Putter auch außerhalb des Grüns eingesetzt und den Ball Richtung Loch gerollt. Für den kurzen Putt nutzte ich anschließend den Strich auf dem Ball zum Ausrichten: zuerst den Ball auf die gewählte Linie ausrichten, dann den Putter dazu stellen und anschließend die Füße positionieren.
Wenn du an diesem Teil deines Spiels arbeiten möchtest, findest du im Beitrag Putten verbessern: Warum der Putterkopf wichtiger ist als der Pfad eine Vertiefung zur Startrichtung.
Nimm den Gedanken mit auf deine nächste Runde
So kannst du deinen eigenen Spielplan vorbereiten:
Lege deinen Zielscore fest.
Verteile dein Schlagbudget auf die einzelnen Löcher.
Plane zwei Putts pro Loch ein und rechne zurück.
Schau dir an, welche Durchschnittslänge bis zum Grün nötig wäre.
Wähle passende Schläger und berücksichtige Gelände und Hindernisse.
Denke auf der Runde auch rechtzeitig ans Essen und Trinken. Das habe ich im Versuch ebenfalls angesprochen, weil die Konzentration und Kraft über die Runde hinweg ein Thema bleiben.
Die wichtigste Botschaft aus den drei Löchern: Du musst nicht bei jedem Schlag die maximale Länge herausholen. Spiel ruhiger, wähle deine Ziele bewusst und halte an einem nachvollziehbaren Plan fest.
Probier es auf deinem Platz aus. Vielleicht zeigt dir schon die Rechnung auf der Scorekarte, dass du weniger Länge brauchst, als du bisher gedacht hast.


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